"Black Mamba Boy" von Nadifa Mohamed

Der 10-jährige Jama, Sohn somalischer Nomaden, begibt sich in den 1930er Jahren auf eine weite Reise, um seinen Vater im Sudan zu finden. Auf seinem beschwerlichen Weg durchquert er mehrere ostafrikanische Länder, trifft viele verschiedene Menschen und ist immer wieder auf die Hilfe von Fremden angewiesen, wobei er an jedem Ort nach Menschen aus seinem Clan, den Eidegalle sucht, die ihn bei sich aufnehmen und von denen er hofft, dass sie seinen Vater Guure kennen. Dieser hatte die Familie verlassen, als Jama noch ein Kleinkind war, um Arbeit im Sudan zu finden und seitdem nie wieder von sich hören lassen. Auf sich alleingestellt, wanderte Jamas Mutter Ambaro nach Jemen aus um ihre Familie ernähren zu können und holte Jama kurze Zeit später nach.

Ambaro und Jama leben in Armut und wohnen bei Verwandten, denen ihre Anwesenheit ein Dorn im Auge ist. Jama freundet sich mit Straßenkindern an und lernt, für sich selbst zu sorgen, nachdem seine Mutter kaum in der Lage ist, sie beide zu ernähren und immer wieder hart mit ihm ins Gericht geht. Nach einer Phase des Herumstromerns kehrt Jama zu seiner Mutter zurück, nur um sie auf dem Sterbebett vorzufinden. Nach ihrem Tod beschließt er, seinen Vater zu suchen, der ihn immer wieder ins seinen Träumen erscheint und seine einzige verbliebene Familie ist. Gezeichnet von Hunger und Armut reist der kleine Jama nach Somaliland und von dort über Dschibuti nach Eritrea an die Grenze zum Sudan. Seine Reise bringt ihn an unbekannte Orte, tief in das Kerngebiet italienischer Kolonialherrschaft und schließlich sogar bis nach Europa, mitten im Zweiten Weltkrieg.

Der Roman erzählt die Familiengeschichte vor dem Hintergrund einer von italienischer Kolonialherrschaft gezeichneten Region, in der viele Menschen von Ort zu Ort ziehen, in der Hoffnung auf Arbeit oder um sich als Askari (Soldat) bei den Kolonialtruppen zu verdingen. 1935 greift Italien Äthiopien unter Kaiser Haile Selassie an und 1940 wird die gesamte Region schließlich in den zweiten Weltkrieg verwickelt, als Italien Britisch-Somalia besetzt. Die vom Kolonialismus aufgezwungene Segregation ist im Roman überall spürbar, ob in Bussen und Zügen, wo Jama als Schwarzer nur ganz hinten sitzen darf, oder in der eritreischen Stadt Asmara, in der die einzigen Schwarzen die Straßenfeger zu sein scheinen. Nadifa Mohamed schafft klare Charaktere und verwendet dabei oftmals lyrische Elemente und Metaphern, wodurch sie ein lebendiges Bild des damaligen Ostafrika und seiner Bewohner*innen zeichnet und gleichzeitig den Kolonialismus in ihren Erzählstrang einbindet.

Black Mamba Boy war der erste Roman der britisch-somalischen Schriftstellerin, 2009 im englischen Original erschienen, wurde er erst 2015 ins Deutsche übersetzt. Zu diesem Zeitpunkt war bereits ihr zweiter Roman The Orchard of Lost Souls (Simon & Schuster, 2014) erschienen und auch übersetzt worden (Der Garten der verlorenen Seelen, C.H. Beck, 2014). Im Alter von drei Jahren kam Mohamed mit ihrer Familie, auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg in Somalia, nach Großbritannien und für ihren Roman Black Mamba Boy ließ sich die Autorin vom Leben ihres Vaters Jama inspirieren.

Text: Lotte Blumenberg

Im Juni  2018 war die Autorin Nadifa Mohamed zu Gast bei Elnathan’s #BOAT. 

Mohamed, Nadifa
dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG
ISBN/EAN: 9783423145350
12,90 € (inkl. MwSt.)
Mohamed, Nadifa
Verlag C. H. BECK oHG
ISBN/EAN: 9783406675966
19,95 € (inkl. MwSt.)
Kategorie:
Roman