Jahresrückblick 2018

Es ist Dezember, draußen ist es ungemütlich, drinnen dafür umso gemütlicher und es wird Zeit das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen. Für InterKontinental war 2018 ein intensives und bewegtes Jahr. Zwischen dem ersten African Book Festival, diversen Lesungen und Veranstaltungen bis hin zur Vereinsgründung und der Eröffnung einer Buchhandlung wurde es bei InterKontinental in diesem Jahr vor allem eines nicht: langweilig.

Mit den Vorbereitungen des ersten African Book Festivals „Writing in Migration“, das vom 26.-28. April 2018 im Babylon in Berlin-Mitte stattfand, begannen wir das neue Jahr. Kuratiert wurde das Literaturfestival von der deutsch-nigerianischen Schriftstellerin Olumide Popoola. Sie konzipierte ein Programm, das an Aktualität und Relevanz im deutschsprachigen Raum seinesgleichen sucht und auch international großes Interesse weckte. Hochkarätige Literaturschaffende vom Kontinent und aus der Diaspora machten das Programm lebendig und verliehen ihm inhaltliche Tiefe. Allen voran Headliner Chris Abani, der mit seiner äußerst bewegenden Eröffnungsrede und druckreifen Statements das Publikum in den Bann zog. Knapp 40 Intellektuelle, Autor*innen, Künstler*innen und Expert*innen aus der Buchbranche versammelte das African Book Festival in der deutschen Hauptstadt. Es wurden sowohl Fragen des Buchmarktes in Deutschland, Europa sowie afrikanischen Ländern und Themen wie Feminismus in der Literatur, das Schreiben als Handwerk, über Traumata oder historische Themen diskutiert, als auch über Migration im wörtlichen und metaphorischen Sinne gesprochen – von persönlichen Migrationserfahrungen und ihrer Verarbeitung in der Literatur bis zu literarischen Grenzüberschreitungen. Presse wie Publikum und die eingeladenen Autor*innen waren begeistert vom 3-tägigen Literaturfest. Mũkoma wa Ngũgĩ twitterte: „Die Berliner Konferenz von 1884 wurde nun offiziell von afrikanischen Schriftsteller*innen neu definiert. Es war eines der autor*innenfreundlichsten und intellektuell vielseitigsten Festivals die ich je erlebt habe.“

Das African Book Festival war jedoch nicht die einzige erfolgreiche Veranstaltung von InterKontinental. Vier mal fand in diesem Jahr die Konversationsreihe „Elnathan’s #BOAT“ mit dem nigerianischen Satiriker und Autor des Romans Born on a Tuesday (#BOAT) im Literaturhaus Berlin statt. Zu Gast waren Henrietta Rose-Innes aus Südafrika im April, die in Großbritannien lebende somalische Schriftstellerin Nadifa Mohamed im Juni, Elnathan John’s Landsmann und Satirikerkollege Pius Adesanmi im September und der aus Eritrea stammende Autor Sulaiman Addonia im November, der seinen nur Tage zuvor erschienen zweiten Roman Silence is My Mother Tongue präsentierte. Es waren Abende voller spannender und unterhaltsamer Gespräche über Literatur, literarische Schaffensprozesse und ihre sozio-politischen Kontexte – wie man es von Elnathan John gewohnt ist gleichermaßen tiefgründig und humorvoll.

Ende Juni reiste das Team von InterKontinental nach London um Africa Writes, dem Londoner Festival für afrikanische Literatur, beizuwohnen. Es war eine lohnende und inspirierende Reise zu einer sehr gelungenen Veranstaltung, bei der besonders junge Autorinnen wie Panashe Chigumadzi, Novuyo Rosa Tshuma, Ayesha Harruna Attah und Akwaeke Emezi begeisterten.

Auch Reisen zu den beiden großen deutschen Buchmessen durften natürlich nicht fehlen. In Leipzig wurden im März bestehende Netzwerke zu Verlagen, Presse und Autor*innen gefestigt, neue Kontakte geknüpft und die Werbetrommel für das African Book Festival im April gerührt. Auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober veranstaltete InterKontinental darüber hinaus einen Event im neuen Frankfurt Pavilion – der futuristisch anmutenden Bühne, räumlich wie inhaltlich im Zentrum der Messe – mit der Kuratorin des African Book Festival 2019 Tsitsi Dangarembga und dem Autor Ilija Trojanow, der ihren Debütroman Nervous Conditions 1991 als Der Preis der Freiheit ins Deutsche übersetzte.

In Zusammenarbeit mit dem Literarischen Colloquium Berlin (LCB) lud InterKontinental im November zur Lesung mit Yaa Gyasi an den Wannsee. Die ghanaisch-US-amerikanische Autorin las im Wechsel mit ShaNon Bobinger aus ihrem gefeierten Debütroman Homegoing (Heimkehren), während Anna Jäger durch den Abend führte. Das Publikum lauschte dem Gespräch so gebannt, dass man im voll besetzten Saal des LCB eine Stecknadel hätte fallen hören können.

Im April dieses Jahrs war schließlich auch die Gründung des Vereins InterKontinental vollzogen, der sich der Förderung afrikanischer Literatur verschrieben hat und die gemeinnützigen Projekte trägt. Mitglieder können hier die Arbeit von InterKontinental unterstützen. Im November konnte bereits mit Fördermitteln der Stiftung:do ein Poesie und Schreibworkshop für junge geflüchtete Frauen unter Leitung der simbabwischen Spoken Word Künsterin Linda Gabriel umgesetzt werden.

Zu guter Letzt haben Karla Kutzner und Stefanie Hirsbrunner InterKontinental um ein weiteres Standbein ergänzt. Zur Agentur- und Vereinsarbeit kommt nun noch die Buchhandlung InterKontinental hinzu. Ende November fand auch schon die erste Lesung in den neuen Räumen statt. Niq Mhlongo aus Südafrika stellte seinen fantastischen Roman Way Back Home und seine jüngst erschienene Kurzgeschichtensammlung Soweto, Under the Apricot Tree vor. Am 15. Dezember wurde der Laden in der Sonntagstraße 26 in Berlin-Friedrichshain dann offiziell und feierlich eröffnet und bietet seitdem Klassiker sowie Aktuelles aus dem Bereich afrikanische und afro-diasporische Literatur in deutscher Übersetzung sowie auf Englisch und Französisch, aber auch ausgewählte Titel internationaler und deutscher Autor*innnen. Vom nicht-normativen Kinderbuch, über feministische und rassismuskritische Sachbücher hin zu Memoiren, Romanen, Kurzgeschichten- und Lyrikbänden gibt es alles, was das Leser*innenherz begehrt. Bereits vor der offiziellen Eröffnung der Buchhandlung brachte InterKontinental mit Büchertischen bei Veranstaltungen afrikanische Literatur an die Leser*innen; so zum Beispiel beim African Food Festival sowie bei Konferenzen an der Humboldt-Universität, der Freien Universität sowie der Film-Universität Potsdam.

Die Eröffnung einer Buchhandlung stellt die logische Konsequenz der Arbeit von InterKontinental und einen krönenden Abschluss des Jahres dar: Um die Zugänglichkeit und Bekanntheit afrikanischer und afro-diasporischer Literatur zu fördern ist die physische Präsenz eben dieser Literatur in Buchhandlungen unabdingbar – nicht in der Nische sondern im Zentrum, nicht als exotisiertes Kuriosum sondern Teil der Norm.

Wir freuen uns sehr über die zahlreiche Berichterstattung zur Eröffnung:

Wer das 1. African Book Festival nochmal Revue passieren lassen möchte, findet die Presseschau hier.

Im Januar launchen wir außerdem die neue Website africanbookfestival.de, wo alle relevanten Infos und vor allem Gäste und Bücher der kommenden Festivals zu finden sein werden.